Wenn dich die Kommission duzt

Ich freue mich ja immer wie ein Schneekönig, wenn öffentliche Institutionen meine Bitten erhören, und wie hier näher mit Bürger/innen in den Dialog treten wollen. Besonders dann, wenn es nicht über ausgefallene Kommikationsstrategien, die von fancy Werbeagenturen durchgeführt werden, geschieht.

Im Fall der deutschen Vertretung der Europäischen Kommission war es vor fast zwei Monaten, als sie im Facebook angekommen ist. An diesem Tag hat jemand in ihrem Namen die Porträts der Kommissare hochgeladen und einige Tage später den ersten Eintrag auf ihre Fanpage gepostet.

Seither beglückt sie ihre fast 600 “Fans” mit täglichen Nachrichten aus der Europäischen Union und ihrer täglichen Arbeit. Das macht sie richtig gut, finde ich. Die verantwortliche Person hat scheinbar genügend Vertrauen bekommen, auch mit den Nutzern in jenen gewünschten Dialog zu treten. Die Vertretung liest die Kommentare und geht auf sie ein. So stelle ich mir das vor. In einem Fall berichtet sie beispielsweise von einem honorierten Beitrag in einer Schülerzeitung, der nicht online zur Verfügung stand. Auf meine Nachfrage hin, haben sie den Artikel organisiert, online gestellt und uns “Fans” darüber informiert. Weiter so. Es klingt vielleicht wie eine kleine, völlig selbstverständliche Aktion. In dem Kontext der Kommunikation zwischen Behörden und Bürgern ist es erfahrungsgemäß aber alles andere als das. In anderen Fällen gaben sie auf Nachfrage weitere Auskünfte zu ihren Status Updates, wie zum großen Thema SWIFT.

Die Texte klingen authentisch, wie für Facebook geschrieben, und lassen mitunter auch den einen oder anderen Schmunzler zu:

Das erste Posting nach dem deutschen Halbfinal-Aus bei der WM…heikel! Wir versuchen’s trotzdem: 31,10 Millionen Zuschauern sahen das Match gegen Spanien und damit mehr als bei jeder anderen TV-Übertragung in der deutschen Geschichte. Weltmeister wird nun auf jeden Fall ein europäisches Team, immerhin.

Da sitzt jemand in Berlin hinter einem Rechner, und weiß wo er/sie sich befindet. Nicht nur im gefährlichen Internet, sondern in einen Social Network. Vielleicht haben sich die Berliner das vom Europäischen Parlament abgeguckt, oder es hat Brüssel etwas nachgeholfen, wer weiß. Nur eines ist mir als Nutzer, als Bürger und als “Fan” wichtig, es funktioniert und fühlt sich natürlich an. Einzig, dass ich jetzt von der Kommission geduzt werde, ist eine Umstellung. Aber wenn die Kommissionvertretung bereit ist, sich zu verändern, dann bin ich’s freilich auch.

Übrigens: Parallel dazu hat die Vertretung auch ein StudiVZ-Edelprofil erstellt, das leider, wohl der technischen Einschränkungen geschuldet, vieles von der guten Arbeit von Facebook vermissen lässt. Dort lesen sich die Updates, wie in einem Feedreader. Wenn sich das ändert, werden es sicher auch mehr als die 48 Leute, die die Europäische Kommission gerade “gut finden”.

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