Darf’s ein bisschen mehr Freiheit sein?

Der europäische Einigungsprozess ist in den letzten 20 Jahren einen großen Schritt vorangekommen, und die Europäische Union hat auch den Ländern des Westlichen Balkans nicht zuletzt auf dem Thessaloniki-Gipfel 2003 die Perspektive einer EU-Mitgliedschaft zugestanden und sie seither auf verschiedenste Art und Weise an die euro-atlantischen Strukturen herzuführen versucht. Ihr oberstes Ziel waren dabei immer demokratische Werte und der Aufbau einer funktionierenden Zivilgesellschaft, um die Länder an sich zu binden. Aber einen Haken gab es doch immer. Der Westbalkan sollte sich zwar schön europäisch fühlen, aber eigentlich im Land haben wollte die Südosteuropäer niemand so richtig. Die EU entwickelte ein Visaregime, das zutiefst unbefriedigend für unseren europäischen Nachbarn ist. Wir sollten uns einfach mal in die Lage der Menschen versetzen. Ein Visum zu beantragen ist vielleicht für Deutsche in den Botschaften und Konsulaten ein Klacks, lässt sich mitunter online erledigen. Jedoch nicht so in den ehemaligen Ländern Jugoslawiens. Dort bedeutet es neben der Zahlung eines utopischen Eurobetrages auch die mitunter weite Anreise in die Hauptstadt, um sich dort stundenlang in der Schlange die Füße in den Bauch zu stehen, ohne zu wissen, ob man auch tatsächlich das Touristenvisum bekommt, oder es gar beantragen kann. Das EU Visaregime stellt die Bewohner, der auf den black-lists eingetragenen Länder nicht nur unter Generalverdacht, in der EU untertauchen zu wollen, sondern ist vor allem in der Ausführung unmenschlich. Auch wenn teilweise vereinfachte Prozesse eingeführt wurden, bedeuten die Visa-Obligationen immer noch eine große Einschränkung für Freizügigkeit.

Im Fall Bosnien und Herzegovina gefährdet die Europäische Union sogar Demokratie und Frieden. Schon jetzt ist es nämlich den Kroaten in diesem Vielvölkerstaat möglich, visafrei in die EU einzureisen, glaubt man den Verlautbarungen der Politik soll dies spätestens ab 2010 auch für serbische Staatsbürger gelten. Für Bosnier, die keine der beiden Staatsbürgerschaften haben, wird es so auf lange Zeit keine Chance auf freies Reisen durch die Europäische Union geben. Gerade den Jugendlichen, der Zukunft des Landes, wird es daher nicht oder immernoch nur schwer möglich sein, sich mit anderen Europäern zu treffen, Europa kennenzulernen oder einfach Urlaub in den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union zu machen.

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