
Die Meldung der APA ist schon seit den frühen Morgenstunden raus, aber erst jetzt kommen langsam die Reaktionen auf die gestrige Entscheidung des Europäischen Parlamentes im Bestätigungsverfahren für die Barroso-II-Kommission. Die niederländische Kandidatin für das Kommissionsportfolie “Digitale Agenda” Neelie Kroes scheint demnach in ihrer Anhörung vor dem Europäischen Parlament so wenig überzeugt zu haben, dass das Parlament sie vorerst nicht bestätigen will und sie zu einer zweiten Anhörung einlädt. (Die offizielle Zusammenfassung des Hearings findet sich im Pressebereich der EP-Seite.)
“Nach ihrer Anhörung hätten die zuständigen Fraktionskoordinatoren des Industrieausschusses ‘kein positives Zeugnis’ für die Niederländerin ausgestellt, sagte der ÖVP-Europaabgeordnete Paul Rübig am Freitag.” (Der Standard vom 15. Januar 2010)
Über die netzpolitischen Bedenken bloggte auch Simon Columbus. Ich gehe aber hingegen davon aus, dass es sich nicht ausschließlich um inhaltliche Fragen als Grund für dies doch eher untypische Vorgehen handelt. Der Abgeordnete Hans van Baalen unterstellt im Financieele Dagblad sogar politische Machtspielchen: “Sie haben sie als Geisel nur für ihre eigenen schwachen Kandidaten genommen.”
Das eigentlich Seltsame an der Geschichte ist aber, dass Kroes hinter verschlossenen Türen im kleinen Kreis befragt werden soll, wenn man der EuropeanVoice glauben darf.
“The extra questioning will take place on Tuesday (26 January) morning in Strasbourg. The meeting will be held in camera. Only the spokesmen for each political group in the Parliament’s industry committee will put questions to Kroes.” (Jim Brunsden, EV)
Dieses Vorgehen lässt mich stutzen. Es ist natürlich möglich, dass sich das Parlament auf ein solches Vorgehen einlässt, aber es ist den Bürgern nicht zu erklären, warum so ein Schritt nötig ist. Darüber hinaus ist es sehr fragwürdig, warum die zweite Anhörung geheim abgehalten werden soll. Vielleicht, wenn ich kurz mutmaßen darf, will man nicht riskieren, dass Kroes wirklich durchfällt und den politischen Mätzchen zum Opfer fällt. Schließlich sind die Anhörungen nur bis zum 19. Januar geplant. Über die neue Kommission will das Europäische Parlament dann am 26. Januar abgestimmen, eben dem Dienstag, an dem laut den vorliegenden Presseberichten Kroes in die Verlängerung muss.
Bildnachweis: Europäisches Parlament/ flickr.com