Wenn dich die Kommission duzt

Ich freue mich ja immer wie ein Schneekönig, wenn öffentliche Institutionen meine Bitten erhören, und wie hier näher mit Bürger/innen in den Dialog treten wollen. Besonders dann, wenn es nicht über ausgefallene Kommikationsstrategien, die von fancy Werbeagenturen durchgeführt werden, geschieht.

Im Fall der deutschen Vertretung der Europäischen Kommission war es vor fast zwei Monaten, als sie im Facebook angekommen ist. An diesem Tag hat jemand in ihrem Namen die Porträts der Kommissare hochgeladen und einige Tage später den ersten Eintrag auf ihre Fanpage gepostet.

Seither beglückt sie ihre fast 600 “Fans” mit täglichen Nachrichten aus der Europäischen Union und ihrer täglichen Arbeit. Das macht sie richtig gut, finde ich. Die verantwortliche Person hat scheinbar genügend Vertrauen bekommen, auch mit den Nutzern in jenen gewünschten Dialog zu treten. Die Vertretung liest die Kommentare und geht auf sie ein. So stelle ich mir das vor. In einem Fall berichtet sie beispielsweise von einem honorierten Beitrag in einer Schülerzeitung, der nicht online zur Verfügung stand. Auf meine Nachfrage hin, haben sie den Artikel organisiert, online gestellt und uns “Fans” darüber informiert. Weiter so. Es klingt vielleicht wie eine kleine, völlig selbstverständliche Aktion. In dem Kontext der Kommunikation zwischen Behörden und Bürgern ist es erfahrungsgemäß aber alles andere als das. In anderen Fällen gaben sie auf Nachfrage weitere Auskünfte zu ihren Status Updates, wie zum großen Thema SWIFT.

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Niedrige Inflation mit einem Limbo tanzenden Euro [Update]

Wenn ich mir dieses Video ansehe und die Message dahinter richtig verstehe, steht der Euro wohl für eine niedrige Inflation. Danke, EUtube! Was würde ich nur ohne deine tollen Erklärungsvideos machen? Eine klitzekleine Frage bleibt nur noch: Was heißt das jetzt genau?

Zugegeben, die Europäische Union zu verstehen ist nicht einfach, das europäische Währungssystem noch weniger. Ich kann daher verstehen, dass gerade in diesen Zeiten, in denen der Euro und die Diskussion über seine Stabilität im Mittelpunkt der öffentliche Debatte stehen, eine kleine Handreichung für uns Bürger hilfreich sein kann. Aber bitte, erklärt es uns auch ordentlich. Ein Limbo tanzender Euro mag vielleicht lustig sein, und den Auftraggebern des Videos das Gefühl vermitteln, damit auf dem intellektuellen Niveau ihrer Bürgerinnen und Bürger zu ihnen zu kommunizieren. Er erklärt aber mitnichten, warum der Euro eine niedrige Inflation hat, und warum das gut für uns ist.

Es hat sich also auch im letzten halben Jahr nichts geändert. Da brauchen sich die Betreiber von EUtube dann aber bitte auch nicht über die negativen Kanalkommentare wundern.

Update (31. März 2010): Die Kommission scheint sich der globalen Bedeutung des Euros bewusst. Nach ihrer Einschätzung geben sowohl Euro als auch Dollar den Ton an. Hier spielt die Musik:

Update (27. April 2010): Nun hat die Europäische Kommission ihre Euro-Videos wieder von EUtube entfernt und EUX.tv aufgefordert, ein gespiegeltes Video ebenfalls zu entfernen.

Aller Anfang ist leer, Frau Kroes.

Liebe Frau Kommissarin Kroes,

Ihr alter und neuer Chef, der Präsident der Europäischen Kommission José Manuel Barroso, hat Ihnen, als er von Ihrer Nominierung erfuhr Ende November 2009 einen Brief geschrieben, den Sie zwar lieblos auf Ihre offizielle Kommissionswebseite kopiert haben, aber sich wohl noch nicht richtig zu Herzen genommen haben. (Ich unterstelle Ihrem Team einfach, dass es das PDF-Dokument von Herrn Barroso ungeprüft in das Redaktionssystem kopiert hat.) Continue reading