Rent a ghostwriter?

Angebot am Schwarzen Brett der TU Chemnitz

Im Allgemeinen versuche ich mich ja sprachpflegerisch zu betätigen und englische Ausdrücke, wo sie vermeidbar sind, zu umgehen. In diesem Fall stammt der Ausdruck allerdings nicht von mir, sondern von einem Zettel am Schwarzen Brett der Universitätsbibliothek. Dort bietet ein gewisser Kaufschreiber seine Dienste allen lust- oder ahnungslosen Studenten gegen Bezahlung an.

Das ist ja nichts neues. Ghostwriting, also das fremder Leute Texte schreiben, gibt es ja nicht erst seit einigen Jahren, auch in der Wissenschaft. Aber dass diese Dienste nun auch unverhohlen, öffentlich auf Schwarzen Brettern angeboten werden, ist mir neu.

Wenn man eidesstattlich erklärt, einen Text alleine und ohne Zutun anderer verfasst hat, und das nicht stimmt, stellt das nach meiner Rechtsauffassung einen Strafttatbestand dar. Der vermeintliche Helfer macht sich doch außerdem direkt mit strafbar, oder? Beihilfe oder so was?

Wie funktioniert das aber? Bestelle ich eine gute (Note 2) Seminararbeit? Gibt es auf einen Dreier vielleicht Rabatt? Oder bekommt man sogar Sparangebote à la: “Bei drei Seminararbeiten, gibt’s ein Essay kostenlos?” Zudem kann ich mir vorstellen, dass das doch auf Dauer ärgerlich sein muss. Vielleicht schreibt der Kaufschreiber, weil er ja geübt ist, und weiß wie das geht, die Arbeiten des Jahres, wird aber nie als Autor bekannt. Das Problem muss es doch schon ewig geben. Politiker schreiben doch auch schon lange keine eigenen Reden mehr. “Autobiographien” sind zuweilen ohne Mitarbeit der Hauptperson entstanden…

PS: Ich habe gerade entdeckt, dass es sogar einen Verband der Redenschreiber deutscher Sprache gibt. Nicht schlecht, was? Die haben übrigens eine recht interessante Internetseite. (Lesetipp: der Beitrag “zu dem neu geschaffenen und allüberall verwendeten Begriff ‘Prekariat‘ [...] von Thomas Maess…”)