Entgrenzungen: EU-Berichterstattung in Deutschland

Am vergangenen Donnerstag war ich eingeladen, in Bremen auf einer Diskussion über Entgrenzungen in der journalistischen Arbeit meine Kritik am dt. EU Jorunalismus gegenüber Vertretern des Deutschen Journalistenverbandes und Journalistik-Studierenden der Hochschule Bremen zu erklären.

Meine Befürchtung als Blogger von den gestandenen Journalisten auseinander genommen zu werden, ist indes nicht eingetreten. Vielmehr waren wir uns einig, dass es (streitbare) Gründe dafür gibt, warum vor allem freie EU-Korrespondenten oftmals nur die Rolle der Vermittlung von offiziellen Inhalten bleibt, und echter, investigativer Journalismus nur wenig möglich ist. Diese liegen eben oftmals in den Heimatredaktionen.

Trotz dieser Gründe halte ich allerdings mein Plädoyer aufrecht, den Leserinnen und Lesern, gerade regionaler Zeitungen, ein höheres Niveau der Berichterstattung  zuzutrauen. Durch bloßes Kopieren von Agenturmeldungen und Kommissionsinformationen wird die Presse meiner Meinung nach ihren gesellschaftlichen Pflichten kaum gerecht. Das könnte ich auch problemlos von Berlin aus machen, ohne jemals mit Vertretern der Institutionen ins Gespräch zu kommen.

Gerade in der Hintergrundrecherche und dem Auffinden von zukünftigen Themen liegt auch die Legitimation, die ich im professionellen EU-Journalismus sehe und der von ehrenamtlichen Journalisten wie uns Bloggern aus vielerlei Gründen nur unzureichend nachgekommen werden kann und muss. Vor allem in EU-Themen ist eine “Zusammenarbeit” daher sehr sinnvoll.

Ein kurzer Bericht findet sich auf der Seite des EuropaPunktes Bremen:

“Ein Teil der Diskussion wurde von der Frage geleitet, ob es in den heutigen Zeiten noch notwendig sei, zur Recherche für Artikel vor Ort zu sein, oder aber – wie es der Euroblogger Teubner darstellte – für die Arbeit zumeist ausreiche, auf im Internet verfügbare Informationen zurückzugreifen.
Problematisiert wurde der Widerspruch, dass in manchen Heimatredaktionen mitunter angenommen wird, dass die Pressedienste aus Brüssel allemal ausreichend und Korrespondenten durchaus verzichtbar seien, während die Fachjournalisten zuhause oft daran verzweifeln, wenn bei Einzel-Themen wie zum Beispiel Agrarpolitik oft der nötige Fachverstand fehlt und die wirklich kritischen Inhalte zuhause herausgearbeitet werden müssen.
“Wir beleuchten das Thema Europa aus einem ganz anderen Winkel und wollen auch gar nicht in Konkurrenz zu Journalisten stehen.” erklärt der Euroblogger Teubner seine Rolle.
Blogger und Journalisten “klassischer” Art seien gar nicht so weit voneinander entfernt, wie man meinen möchte, sondern würden grundsätzlich verschiedene Zielgruppen bedienen, legte Pia Menning von der EU-Abteilung dar.”

(Auszug)

Wir brauchen echten Journalismus aus Brüssel [Updated]

Das Social European Journalism Blog fragt heute, warum Journalisten Brüssel verlassen, und greift damit einen Punkt auf, der schon vor einem Jahr für Gesprächsstoff in der Euroblogosphäre sorgte. Das Klagen über ein Aussterben derjenigen Journalisten, die über europäische Themen aus Brüssel direkt und unverfälscht berichten, hält noch immer an, und das EU-Pressekorps ist bislang noch nicht aus seiner Traumwelt aufgewacht.

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Warum uns eine europäische “Blogger gg. Journalisten”-Debatte nicht weiterbringt

Ich habe eigentlich langsam genug von selbstreferenziellen Debatten. Sei es, und da fasse ich mir mit diesem Beitrag auch selbst an die Nase, wenn wir Euroblogger viel Energie in die Diskussionen über die europäische Blogosphäre legen. Wenn Blogger allgemein über ihren Stellenwert in der Medienlandschaft streiten. Twitterer über die gesellschaftliche Akzeptanz und so weiter. Die Liste ließe sich beliebig fortführen.

Gerade auf der europäischen Ebene sind diese Debatte aber besonders häufig, habe ich den Eindruck. Europa macht es nicht anders. Die Europäische Union (wie auch ihre Rechtsvorfahren) kümmert sich seit jeher mehr darum, was es eigentlich sein möchte, anstatt einfach zu sein. Diejenige, die viel mit den europäischen Institutionen zu tun haben, neigen zudem oft dazu, sie in ihrem Verhalten zu kopieren.

Ich finde aber, dass wir, wie die polititschen Verantwortlichen, unsere Energie anders, nämlich konstruktiver und produktiver, einsetzen sollten und könnten.

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Gehen Brüssel die Journalisten aus?

Es war nur eine kleine Meldung, die außer ein paar Retweets zunächst keine größere Debatte nach sich zog. Das Magazin EuropeanVoice meldete letzte Woche, dass sich die International Press Association (frz. abgekürzt API) um eine gefährdete Spezies in Brüssel sorge, die Journalisten.

“The number of accredited journalists has fallen again this year. API considers this an indication of the diminishing importance of Brussels for European media. This cannot be in the interest of either the European institutions or the Brussels press corps.” (EuropeanVoice vom 11. März 2010)

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