Ein Tag zum Feiern

Birthday cake by robokow/flickr.com
(Bild im Original robokow/flickr.com)

Vom Wochenende gezeichnet sitze ich hier in Berlin und rekapituliere eine europäische Woche, die das Prädikat “intensiv” verdient. Ein internationales Seminar, das alljährliche Berlinseminar und der Bundesausschuss der JEF Europa brachten über 120 junge Europäer in jene Stadt, die heute den Nabel der Welt darzustellen scheinte. Es war wie immer schön, neue Leute kennenzulernen und alte Freunde wiederzutreffen und dieses Mal im Rahmen des erfreulichen Ereignisses, dem praktisch fünfzigjährigen Geburtstag der Europäischen Union. So kam natürlich auch das Feiern nicht zu knapp. Dass es allen Grund dazu gibt, brauche ich an dieser Stelle wohl nicht noch einmal zu erwähnen. Die Medien haben ja glücklicherweise gezeigt, dass man auch auf Appetit auf Europa machen kann. Und vielleicht auch ein wenig deswegen konnte man sehen, wie in ganz Berlin die Menschen feierten: und zwar dieses unsere Europa. Und so lehne ich mich nach der Flut an Ereignissen, Eindrücken und Erlebnisse des Wochenendes ausgelaugt, aber zufrieden, zurück und wünsche den Römischen Verträgen einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!

PS: Zu der Berliner Erklärung, auf die ich so gewartet habe (siehe Blogeintrag), möchte ich, nachdem ich sie jetzt gehört habe, nun doch nichts mehr sagen.

Ein Geburtstagsständchen?

by robokow/flickr.com

Geburtstage feiert man, auch weil es einem die Möglichkeit bietet, mal zurückzuschauen auf die guten Sachen, die man in Vergangenheit vollbracht hat. Man wird sich auch ein Wenig Mut zusprechen, versuchen mit Bekannten und Freunden in eine glückliche, so hofft man und bekommt es gewünscht, Zukunft zu feiern. Je älter man jedoch wird, umso mehr Brimborium wird um den Anlass gemacht, desto mehr Ruhe wünscht man sich aber gleichsam. Runde Geburtstage sind wohl am schlimmsten.

Am 25. März wird Europäische Union 50 Jahre alt – also vielmehr die Römischen Verträge. Man wolle aber nicht so laut feiern, hieß es noch vor einigen Monaten aus der Kommission. Ich kann das verstehen, die Bevölkerung ist in ihrer Mehrheit eben (noch) nicht europhorisch. Aber es sollte immerhin die Gelgenheit genutzt werden, ein bisschen für Europa zu werben und die Menschen für Europa zu begeistern. Die Ratspräsidentin soll dazu eine Rede halten. Eine große Rede. Eine Erklärung. Die Berliner Erklärung, und wie es in Brüssel so üblich ist, will jeder seinen kleinen Satz in der Rede untergebracht wissen. Die Föderalisten wollen den Verfassungsvertrag, die Konservativen einen religiösen Bezug, Umweltverbände die Herausforderungen an die Klimapolitik… und so weiter. Ich finde das alles etwas seltsam und nervig. Schließlich hatte ich mich insgeheim schon sehr auf die Erklärung gefreut und auch darauf gehofft, dass die Erklärung meiner Motivation wieder auf die Sprünge hilft. Aber angesichts des Ringens um die vielen verschiedenen Inhalte, wo doch die Symbolik so wichtig sein wird an diesem Tag, packt mich wieder eine gewisse Ernüchterung und die Erkenntnis. dass die bürokratisch geführte Diskussion einfach nicht in die Öffentlichkeit gehört. Wie soll ich meinem Nachbarn denn erklären, dass es sich lohnt, am 25. ein Gläschen Sekt auf ein beeindruckendes halbes Jahrhundert europäischer Integration zu trinken, wenn im Vorfeld alles zerredet wird. Europa soll halt nicht Brüsseler Lobbytum sein! Aber die Realität sieht wohl anders aus.

Ich habe jetzt entschieden, keine Nachrichten mehr zu lesen, die den Geburtstag betreffen und mich dann mit meinen Freunden in Berlin richtig zu freuen, nicht auf das was war, sondern darauf was kommt, und was wir noch alles mit unserem Europa erreichen können!