Repräsentative Wahlstatistik zur Europawahl (Nachtrag)

Nach dem langen deutschen Wahljahr scheint die Europawahl im Juni 2009 fast wieder in Vergessenheit geraten zu sein. Allerdings bin ich zum Thema Repräsentative Wahlstatistik noch einen Blogeintrag mit den genauen demographischen Ergebnissen schuldig. Anfang Oktober haben der Bundeswahlleiter und das Statistische Bundesamt endlich detaillierte Zahlen zur Beteiligung an Wahlen zum Europäischen Parlament veröffentlicht. In dem 70-seitigen Heft “Wahlbeteiligung und Stimmabgabe der Männer und Frauen nach dem Alter” (PDF) finden sich allerdings kaum Überraschungen. Gerade die Wahlbeteiligung unter den ErstwählerInnen, um die ich mich im Rahmen einer ErstwählerInnenkampagne besonders gekümmert hatte, ernüchtert. Es gab in der Altergruppe 18-25 keine signifikante Erhöhung, trotz des Versuches seitens Parlaments, Parteien und Zivilgesellschaft, die Jugendlichen “dort abzuholen”, wo sich sich vermeintlich am meisten aufhalten: im Netz. Trauriges Schlusslicht der Wahlstatistik sind mit unter 30% Beteiligung junge Frauen im Alter von 21 bis 25 Jahren. Größte Verlierer, wenn man es so nennen möchte, sind aber die 35 bis 40-Jährigen (s. Graphik, zum Vergrößern anklicken), deren Wahlbeteiligung um mehr als 25% gesunken ist. Um nicht ins Spekulieren auszuarten, lasse das Ergebnis unkommentiert.

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Wer sich, wie ich, nicht durch die siebzig Seiten quälen möchte, kann mit den “Erkenntnissen aus der Repräsentativen Wahlstatistik” vielleicht eher etwas anfangen  (17 Seiten). Eine textliche Auswertung ist für Juni 2010 geplant. Gut Ding, will Weile haben.

Bildnachweis: Informationen des Bundeswahlleiters, Europawahl 2009, Heft 4 “Wahlbeteiligung und Stimmabgabe der Männer und Frauen nach dem Alter“, S. 63.

Repräsentative Wahlstatistik zur Europawahl

So nennt sich die Erhebung, die “die Wahlbeteiligung einerseits und die Stimmabgabe der Wahlberechtigten andererseits nach Geschlecht und Altersgruppen im Wege der Stichprobe untersucht” [1] auf die ich seit dem Wahlabend am 07. Juni warte. Diese Statistik wird nämlich das zeigen, was ohnehin alle zu wissen scheinen, aber niemand so recht verinnerlicht hat. Wie die gestern veröffentlichten Daten aus der Stadt Leipzig zeigen, gibt es eine Kluft zwischen Alt- und Jungwählern. Nur ein Drittel der Erstwähler haben in der sächsischen Stadt von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, von den über 60-jährigen aber immerhin knapp die Hälfte [2]. Und selbst die 43,03% Gesamtwahlbeteiligung  in Deutschland mit der sich die Bundeskanzlerin bei ihrer Pressekonferenz am 08. Juni so zufrieden gab (klar, schadet ja dem politischen Gegner), wären für Erstwähler wohl ein Erfolg gewesen. Ich suche daher nach europaweiten oder zumindest bundesweiten Vergleichswerten für die Wahlbeteiligung nach Altersgruppen.

Repräsentative Wahlstatistik zur Europawahl für die Stadt Leipzig
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Getwitterte #Europawahl

Mit den heutigen Schlusskundgebungen der Parteien und politischen Vereinigungen endet auch größtenteils deren Wahlkampf für die Europawahl, die in der Mehrzahl der EU-Mitgliedsstaaten am Sonntag stattfindet, so auch in Deutschland. Aber Moment mal? Was denn für ein Wahlkampf? Und selbst wenn man schon vereinzelte Elemente von Wahlkampf feststellte, dann war es doch ganz sicher keiner für das Europäische Parlament. Vielmehr behandelten die Parteien diese Wahl als einen Test für die Bundestagswahl im Herbst. (Und das gaben sie mitunter auch freimütig zu.) Wenngleich die Finanzierung aus der Europäischen Union doch eigentlich auf einen europäischen Wahlkampf ausgerichtet ist, nutzen die Parteien die Ressourcen wohl lieber für nationale Kampagnen. Aber ich drifte ab!

Was europäische Themen aber zu wenig in den Wahlkampagnen und herkömmlichen Medien vorkam, schaffte es umso mehr in die digitale Welt. Allein auf Twitter, das ja gerade ein unheimlicher Hype in Deutschland ist, hat sich in den letzten Wochen und in vielen Sprachen eine verhältnismäßig starke Diskussion zur Europawahl entwickelt. Wem es aber zu anstrengend ist, den Überblick über die Diskussion zu behalten oder gar allen Tweets mit den Hashtags #ep09 oder #eu09 zu folgen, der hat nun dank Thomas (@codeispoetry) und Malte (@malte_politicus) die Möglichkeit, eine schnelle Übersicht über die heiß diskutierten, deutschsprachigen Themen zu bekommen. Auf www.twitterthemen.de/europa haben sie eine Themenwolke zur Europawahl veröffentlicht. Wer also wissen möchte, was grüne Bürgerrechtler in den Niederlanden mit der Piratenpartei zu tun haben könnten, sollte mal draufschauen.

 

Ehrendoktor für Barroso?

What kind of president do we want for the European Commission?

Am 8. Mai 2009 fährt der Präsident der Europäischen Kommission nach Chemnitz, um sich dort von der Philosophischen Fakultät zum Dr. phil. honoris causa machen zu lassen. An sich ja keine besondere Meldung, wenn nicht eben gerade Europawahlkampf wäre. Hat denn der Kommissionspräsident in dieser heißen Phasen nichts besseres zu tun, als sich in der ostdeutschen Provinz von Ministerpräsidenten und Staatssekretären loben und von der TU Chemnitz mit der Ehrendoktorwürde auszeichnen zu lassen? Mir ist schon klar, dass er nicht selbst zur Wahl steht oder sich anderweitig dem Wahlvolk vorstellen müsste. Dass er sich vor der europäischen Bevölkerung präsentieren muss, haben EVP und SPE ja früh ausgeschlossen und sich auf eine weitere Amtszeit für den höchsten Aktenschlepper der Mitgliedsstaaten verständigt. Ich finde das im Übrigen höchst zweifelhaft, nicht nur wegen seiner Person sondern vor allem wegen der Aussage Martin Schulz’ unabhängig vom Ausgang der Wahlen zum Europäischen Parlament keinen eigenen Kandidaten für Barrosos Nachfolge nominieren zu wollen. Hallo? Das würde wohl keine Oppositionspartei in den Mitgliedsstaaten machen, siehe Gesine Schwan.

Anstatt durch Europa zu tingeln und nett zu lächeln, könnte er ja vielleicht aktiv daran arbeiten, die Wahlbeteilung europaweit anzuheben. Das wäre doch mal was! Es wäre nur zu schade, wenn die “Anyone but Barroso”-Kampagne einen weiteren Grund für ihre Kritik hätte.