Ich gehörte natürlich wie angekündigt zu den einhundert Millionen Menschen, die sich am Sonnabend das europäische Fernsehereignis des Jahres nicht entgehen ließen. Wann sonst lässt sich unverholen und ganz offen das zelebrieren, woran man als aktiver Europafreund glaubt. Kulturelle Vielfalt – aus dem ganzen Kontinent. (Fast) Ohne Politik! Und ja, ich habe natürlich auch schwer mitgepunktet. Um’s gleich vorrauszuschicken, nur mäßig erfolgreich. Obwohl ich die ersten zwei Plätze richtig getippt habe, schaffte ich es nur, sieben der besten 12 und lediglich drei der besten sechsen zu raten. Auch meine Tipps, dass Spanien und Armenien auf den letzten beiden Plätzen landen würden, haben sich auch nicht bewahrheitet. (Eine Übersicht über die Platzierungen und die vergebenen Punkte findet sich beim NDR.)
So ist das nun mal! Womit ich mich aber eigentlich nicht abfinden möchte, und ich will damit gar nicht die Diskussion vorantreiben, die eine musikalische Teilung Europas in West und Ost vornimmt, aber es fällt doch schon auf, dass es eine unverhältnismäßige Verteilung der Stimmen auf Musik der Länder des östlichen Teils des Kontinents entfällt. Naja, es ist schon verständlich. Wenn dort mehr telefoniert und getextet wird, haben sie’s auch verdient. (Und nur nebenbei, die TOP 12 gehen überwiegend auch in Ordnung.) Was aber machen, dass die gute Musik aus Frankreich, Deutschland usw. (mit Ausnahme des Vereinigten Königreich – die waren wirklich schlecht!) auch angemessen platziert wird? Immerhin gibt es ja schon Quotenregelungen. Die Finanziers des Ereignisses müssen ja nicht einmal durch das Halbfinale (ein Glück, oder?). Müssen wir die Hürde herabsetzen, die es verhindert, dass Menschen am Abstimmungsprozess teilnehmen? (Gibt’s da eigentlich Zahlen für?) Ich für meinen Teil hätte mitgemacht, wenn es online oder zumindest kostenfrei möglich gewesen wäre. Ich hätte übrigens für Frankreich angerufen :). Oder ist es tatsächlich eine Mentalitäts- oder Kulturfrage?
Die Österreicher haben damals protestiert und boykottiert. Die Schweizer sind aufgebracht. Es wird zu sehen sein, wie sie reagieren. Und wir Deutschen, nun wir haben eigentlich ja schon vor dem Wettbewerb resigniert und freuen uns irgendwie schon, dass wir nicht Letzte geworden sind. Es muss sich also was verändern. Aber was nur? Und wie? Ich habe da noch keinen rechten Plan! Wir werden es wohl sehen; für 2009 sind ja wohl schon Veränderungen im Reglement angekündigt, wenn ich’s richtig verstanden habe.
So lange also erst mal Hyvästi aus Helsinki und nächstes Jahr Dobro došli in Beograd.




