Hyvästi Eurooppa

The green room (arabella/flickr.com)

Ich gehörte natürlich wie angekündigt zu den einhundert Millionen Menschen, die sich am Sonnabend das europäische Fernsehereignis des Jahres nicht entgehen ließen. Wann sonst lässt sich unverholen und ganz offen das zelebrieren, woran man als aktiver Europafreund glaubt. Kulturelle Vielfalt – aus dem ganzen Kontinent. (Fast) Ohne Politik! Und ja, ich habe natürlich auch schwer mitgepunktet. Um’s gleich vorrauszuschicken, nur mäßig erfolgreich. Obwohl ich die ersten zwei Plätze richtig getippt habe, schaffte ich es nur, sieben der besten 12 und lediglich drei der besten sechsen zu raten. Auch meine Tipps, dass Spanien und Armenien auf den letzten beiden Plätzen landen würden, haben sich auch nicht bewahrheitet. (Eine Übersicht über die Platzierungen und die vergebenen Punkte findet sich beim NDR.)

So ist das nun mal! Womit ich mich aber eigentlich nicht abfinden möchte, und ich will damit gar nicht die Diskussion vorantreiben, die eine musikalische Teilung Europas in West und Ost vornimmt, aber es fällt doch schon auf, dass es eine unverhältnismäßige Verteilung der Stimmen auf Musik der Länder des östlichen Teils des Kontinents entfällt. Naja, es ist schon verständlich. Wenn dort mehr telefoniert und getextet wird, haben sie’s auch verdient. (Und nur nebenbei, die TOP 12 gehen überwiegend auch in Ordnung.) Was aber machen, dass die gute Musik aus Frankreich, Deutschland usw. (mit Ausnahme des Vereinigten Königreich – die waren wirklich schlecht!) auch angemessen platziert wird? Immerhin gibt es ja schon Quotenregelungen. Die Finanziers des Ereignisses müssen ja nicht einmal durch das Halbfinale (ein Glück, oder?). Müssen wir die Hürde herabsetzen, die es verhindert, dass Menschen am Abstimmungsprozess teilnehmen? (Gibt’s da eigentlich Zahlen für?) Ich für meinen Teil hätte mitgemacht, wenn es online oder zumindest kostenfrei möglich gewesen wäre. Ich hätte übrigens für Frankreich angerufen :). Oder ist es tatsächlich eine Mentalitäts- oder Kulturfrage?

Die Österreicher haben damals protestiert und boykottiert. Die Schweizer sind aufgebracht. Es wird zu sehen sein, wie sie reagieren. Und wir Deutschen, nun wir haben eigentlich ja schon vor dem Wettbewerb resigniert und freuen uns irgendwie schon, dass wir nicht Letzte geworden sind. Es muss sich also was verändern. Aber was nur? Und wie? Ich habe da noch keinen rechten Plan! Wir werden es wohl sehen; für 2009 sind ja wohl schon Veränderungen im Reglement angekündigt, wenn ich’s richtig verstanden habe.

So lange also erst mal Hyvästi aus Helsinki und nächstes Jahr Dobro došli in Beograd.

Tervetuola Eurooppa

Eurovision Song Contest 2007

Unheimlich motivierte Moderatoren, ein Flaggenmeer, das europäischen Gleichmachern das Fürchten lehrt, und viel Lärm.

So wird wohl aller Voraussicht nach der Grand Prix Eurovision de la Chanson auch dieses Jahr aussehen. Wer also dachte, dass die Finnen es im kühlen und hohen Norden ruhiger angehen lassen würden, hat sich getäuscht. Zumindest gab das heutige Halbfinale allen Anlass zu dieser Vermutung.

Was mich indes beruhigt hat, war die Feststellung, dass es außer der Ukraine keine großen Ausreißer gab, die es ins Finale geschafft haben. Alles in allem wird die Show allerdings wieder sehr laut für Ohren und Augen. Aber das sind wir von den letzten Jahren ja so gewohnt. Und Europa gefällt’s wohl.

Was auch dieses Jahr aber wieder super gelungen ist, sind die kleinen Filmchen über das ausrichtende Land zwischen den Liedern. Toll! Macht richtig Lust auf Finnland.

Im Übrigen: Wer das Halbfinale nochmal sehen möchte, bleibe im Netz. Es kann noch bis Freitag, 20 Uhr online angeschaut werden, auf Eurovision.tv.

Das eigentliche Ereignis werde ich jedenfalls heuer nicht verpassen!

Eine europäische Armee?

Legionär

Am 01. Januar 2007 hat das Battlegroupkonzept der Europäischen Union seine vollständige Einsatzbereitschaft erlangt. Die Union ist mit den beteiligten nationalen und multinationalen Kampfverbänden so zum ersten Mal in der Lage, eigenständig und unabhängig von NATO-Ressourcen mit zwei parallel einsatzfähigen und hochmobilen Kampfverbänden auf internationale Krisen und äußere Bedrohungen zu reagieren. Das stellt sich doch die Frage: Ist das jetzt schon eine neue, europäische Armee?

Ich finde die Frage ist gar nicht abweigig. Denn so unwahrscheinlich ist eine europäische Armee nicht, wenn man sich mal anschaut, wie schnell die Vertiefung in anderen Politikbereichen in der letzten Dekade voranschritt. Vor fünfzig Jahren, ja sogar vor fünfundzwanzig Jahren, gab es nicht viele in Europa, die geglaubt hätten, dass Slowenien seinen Luftraum von der italienischen Luftwaffe überwachen ließe, oder dass Spanier, Briten und Polen bald in denselben Verbänden humanitäre Einsätze durchführen könnten.

Aber zum jetzigen Zeitpunkt, man kann noch nicht von einer europäischen Armee sprechen. Schließlich sind diese Kampfverbände nur von den Nationen abgestellte Einheiten. Die nationalen Sicherheitspolitiken sind einfach noch ein zu heißes Eisen, als dass es sich die Staaten “wegnehmen” lassen wollten (so Kritiker). Langfristig wird sich die EU, will sie als globaler Akteur ernst genommen werden, aber mit der Thema näher beschäftigen müssen. Die Erfahrungen, die die beteiligten Staaten in der Zusammenarbeit in der schnellen Eingreiftruppe miteinander machen, stellen meines Erachtens dabei nicht nur ein Beschnuppern, sondern schon die weitreichende Integration dar, die den Grundstein zu einer europäischen Armee, mit eigener Kommandostruktur und Befehlsgewalt, legt.

Was motiviert Menschen, sich in der “Euroblogosphäre” zu beteiligen?

Welch Studierender kennt sie nicht, diese Bitten von Psychologen oder Soziologen, die alltäglich über die diversen E-Mailverteiler kommen: “Bitte hilf mir, und fülle kurz (!) diesen Fragebogen aus!” In der Regel ignoriere ich diese Mails geflissentlich, doch das eine oder andere Mal interessiert mich das Thema dann doch, und ich lasse mich breitschlagen (vor allem, wenn ich das Ergebnis der Studie dann wenigstens auch bekomme).

In diesem Fall ist mir das Ausfüllen etwas leichter gefallen. “Was motiviert Menschen, sich in der “Euroblogosphäre” zu beteiligen?” Das untersucht eine Psycholgiestudentin an der Universität Hamburg. Das passt doch wie die Faust aufs Auge, schließlich frage ich mich ja auch, warum ich mit diesem Blog angefangen habe. Irgendwann im oder um den April herum soll die Auswertung schon fertig sein. Da bin ich ja mal gespannt!

(Link zur englischsprachigen Umfrage: http://www.unipark.de/uc/euroblog_survey/)