Es war nur eine kleine Meldung vergangene Woche, die ich, wie beim sprichtwörtlichen Wald vor lauter Bäumen, in der inhaltlichen Leere des Sommerloches zunächst komplett übersehen habe. Es ist aber gleichsam eine Meldung mit wichtiger Botschaft für den EU-Beitrittskandidaten Kroatien, der es in letzter Zeit alles andere als ruhig um sich hatte. Einerseits hatte Slowenien weiterhin den Beitritt des Nachbarn blockiert, andererseits wurde die Republik schwer von der Wirtschaftskrise getroffen und schließlich, wohl auch als Konsequenz dieser beider Rückschläge, dennoch überraschend, trat Anfang Juli der pro-europäische, kroatische Ministerpräsident Ivo Sanader, zurück. Angesichts dieses Erbes hat die neue Ministerpräsidentin, Jadranka Kosor, keinen ruhigen Sommer. Umso überraschender ist hier die positive Nachricht, die die Financial Times Deutschland letzte Woche berichtete. Demnach hätte sich die Regierungschefin Kroatiens mit dem slowenischen Kollegen, Borut Pahor, am Freitag darauf geeinigt, den Adriagrenzstreit, der Grund für die EU-Blockade war, noch bis Jahresende lösen zu wollen.
Beide Seiten hätten nun [...] den richtigen Weg gefunden. Deswegen sei sie sehr zufrieden, sagte die kroati[s]che Premierministerin Kosor [...]. Pahor bestätigte, dass sie sich über den Rahmen für eine Lösung geeinigt hätten. Nun folgten Gespräche über die Details. Diese würden aber nicht vor laufenden Kameras verhandelt, fügte er hinzu. (FTD Onlineausgabe, vom 31.07.2009)
Ein solche, überraschend schnelle Lösung in dem Konflikt, der sich leider zuzuspitzen drohte und von Seiten der Medien Eskalationspotential beschwor, lässt einmal mehr Raum für Spekulationen, vor allem über den Grund Sanaders Rücktritt. Warum schreiten die Verhandlungen im Grenzstreit jetzt so gut vorran? Lag es in der Verbissenheit des ehemaligen kroatischen Ministerpräsidenten, parout kein Stück Land an Slowenien abgeben zu wollen? Hat Kosor einfach ein besseres Händchen in dieser Causa? Oder hat ihr slowenischer Konterpart deeskalierend eingelenkt? Vielleicht verändern sich einfach in bester Eurovisionsmanier und in Anbetracht der bevorstehenden EU-Mitgliedschaft Islands, die in ihren Beitrittsverhandlungen an dem südosteuropäischen Land vorbeizuziehen drohen, die Vorraussetzungen? Wir wissen es heute noch nicht, aber wir werden sicher im Laufe des Jahres, mit voranschreitenden Verhandlung mehr darüber erfahren. Seien wir einfach froh, dass es die Nachbarn nun doch unter sich regeln wollen. Es kann weder den beiteiligten Staaten noch der Europäischen Union schaden.