Eine europäische Armee?

Legionär

Am 01. Januar 2007 hat das Battlegroupkonzept der Europäischen Union seine vollständige Einsatzbereitschaft erlangt. Die Union ist mit den beteiligten nationalen und multinationalen Kampfverbänden so zum ersten Mal in der Lage, eigenständig und unabhängig von NATO-Ressourcen mit zwei parallel einsatzfähigen und hochmobilen Kampfverbänden auf internationale Krisen und äußere Bedrohungen zu reagieren. Das stellt sich doch die Frage: Ist das jetzt schon eine neue, europäische Armee?

Ich finde die Frage ist gar nicht abweigig. Denn so unwahrscheinlich ist eine europäische Armee nicht, wenn man sich mal anschaut, wie schnell die Vertiefung in anderen Politikbereichen in der letzten Dekade voranschritt. Vor fünfzig Jahren, ja sogar vor fünfundzwanzig Jahren, gab es nicht viele in Europa, die geglaubt hätten, dass Slowenien seinen Luftraum von der italienischen Luftwaffe überwachen ließe, oder dass Spanier, Briten und Polen bald in denselben Verbänden humanitäre Einsätze durchführen könnten.

Aber zum jetzigen Zeitpunkt, man kann noch nicht von einer europäischen Armee sprechen. Schließlich sind diese Kampfverbände nur von den Nationen abgestellte Einheiten. Die nationalen Sicherheitspolitiken sind einfach noch ein zu heißes Eisen, als dass es sich die Staaten “wegnehmen” lassen wollten (so Kritiker). Langfristig wird sich die EU, will sie als globaler Akteur ernst genommen werden, aber mit der Thema näher beschäftigen müssen. Die Erfahrungen, die die beteiligten Staaten in der Zusammenarbeit in der schnellen Eingreiftruppe miteinander machen, stellen meines Erachtens dabei nicht nur ein Beschnuppern, sondern schon die weitreichende Integration dar, die den Grundstein zu einer europäischen Armee, mit eigener Kommandostruktur und Befehlsgewalt, legt.