Mich erreichte heute Nachmittag die Benachrichtigung der PR-Agentur Burson-Marsteller [1], dass das für morgen geplante Bloggerfrühstück zur spanischen Ratspräsidentschaft “aufgrund eines zu geringen Rücklaufs abgesagt werden muss”. Es kommt in der Tat sehr kurzfristig, aber ich bin ehrlich gesagt wenig überrascht. Es ist ja leider nicht das erste Mal, dass die spanische Botschaft einen Termin platzen lässt. Euroblogger Julien Frisch hatte letzte Woche meine grundsätzliche Skepsis zu dem Format aufgenommen und seinen eigenen Schluss aus der Einladung gezogen:
“In advance, the “blogger breakfast” sounds like a big PR move, a story-teller on how transparent they are, while they actually don’t change their intransparency, they just extend it to a bunch of citizens who then write a blog about a two-hour breakfast paid by taxpayer money.”
Ich teile seine Einschätzung zwar weitesgehend, wollte mir aber ein eigenes Bild von dem Treffen machen, nicht zuletzt um zu sehen, wer alles zu so einem Treffen kommt. Ich hatte ohnehin nicht viel Neues vom spanischen Botschafter erwartet. Und auch meine Kritik an der schwachen Netzaktivitiät der #esprez wäre dort wohl fehl am Platz gewesen. Die Präsidentschaft feiert gerade ihr Bergfest. Noch bis Ende Juni 2010 führen die Spanier damit die Europäische Union. Mehr oder weniger, denn richtig rosig war ihre Zeit bislang noch nicht.
Aus der Sicht der Blogospähre hatten sie nach den Schweden aber auch große Schuhe zu füllen. Die ungewissen Zukunft im europäischen Institutionengefüge mit dem Vertrag von Lissabon tat ihr Übriges. Welche/r Blogger/in sollte sich in Deutschland also für ein solches Hintergrundtreffen interessieren? Wie sich herausstellt, waren es zu Wenige.
Neben den anderen Fragen an die Botschaft, kommt also der Blogklassiker wieder dazu. Gibt es überhaupt genügend deutschsprachige Euroblogs? Warum sind es so wenig? Liegt es an den Deutschen, den deutschen Bloggern? Fragen, die nicht neu sind, aber dennoch unbeantwortet bleiben!
[1] Zu Erinnerung: Burson-Marsteller waren diejenigen PR-Leute, die sich letztes Jahr in der Euroblogosphäre und im Eurotwitterverse durch ihre Öffentlichmachung der Personalpoker im frisch gewählten Europaparlament einen Namen gemacht haben.
Was ist noch schlimmer als ein PR-Frühstück zu organisieren: Es nicht hinzubekommen, einen Haufen Blogger dazu zu bekommen, kostenlos zu frühstücken und sich wichtig zu fühlen.
Das Problem ist hier nicht die Zahl der Euroblogger oder das Interesse der deutschen Blogosphäre an Europa:
Das Problem ist die Art und Weise, wie das “Event” bekannt gemacht wurde. Wäre die Ankündigung auf einem der größeren oder mittelgroßen deutschen Blogs gelaufen und hätte sich ein wenig über Twitter verteilt, wären bestimmt ein paar Leute gekommen – vielleicht sogar solche, die man tatsächlich noch briefen könnte. Hätte man noch die beiden Schlagwörter SWIFT oder ACTA verwendet, wäre einem die Bude eingerannt worden.
Das zeigt doch nur, dass es nicht darum ging, hier ein offenes Treffen zu gestalten, bei dem es auch zu kritischen Fragen etc. hätte kommen können, sondern tatsächlich nur um ein wenig PR, allerdings so schlecht organisiert, dass nicht einmal das zustande kam.
PS.: Biste übrigens sicher, dass das Bursten-Marsteller war?