Hilfe, die Dänen haben unseren Satz wieder herausgestrichen

2009 Harvard WorldMUN

Ich schlüpfe diese Woche mal wieder in die Rolle eines VN-Delegierten. Dieses Mal bei der Harvard WorldMUN in Den Haag. Mit unserer Chemnitzer Delegation vertreten wir das schöne und politisch hochinteressante südosteuropäische Land Bosnien und Herzegowina. Dazu schreiben wir auch ein Tagebuch für die Daheimgebliebenen an der Technischen Universität Chemnitz, das hier veröffentlicht wird: http://www.tu-chemnitz.de/tu/presse/dateien/2/1871. Heute war ich mit dem Tagebucheintrag dran, den ich hier gern zweitverwerte.

Unser mittwöchiger Simulationstag war ganz der Ausschussarbeit gewidmet. Während der gestrige Tag eher durch das Rahmenprogramm mit seinen wirklich interessanten Workshops und Panels gekennzeichnet war, ging es heute ausschließlich um unsere Arbeitspapiere und Antragsentwürfe in den Ausschüssen. Nach den unzähligen und mitunter hitzig-chaotischen Diskussionen der ersten beiden Simulationstage beruhigten sich auch langsam wieder die Gemüter und alle Delegationen arbeiteten nun im Geist einer jeden UNO-Simulation daran, die vielen Ideen und Papiere zu kanalisieren und miteinander zu verbinden. Dies ist immer ein kritischer, weil schwer überschaubarer Punkt in Ausschüssen, bei denen, wie im Rechtsausschuss hier bei der Harvard WorldMUN, 158 Mitgliedstaaten (also ungefähr 300 Delegierte) miteinander an einem Thema arbeiten. So mussten auch wir sehr aufpassen, dass unsere Ideen und Verhandlungsfortschritte nicht durch Zufall oder Absicht unter den Tisch fielen und auch noch in neuen oder neu zusammengeschlossenen Papieren auftauchten. Der Erfolg war zwischenzeitlich noch schwer zu erkämpfen, und so hörten wir auch immer wieder aufgeregte Delegierte durch die Hallen des World Forums rufen: “Hilfe, die Dänen haben unseren Satz wieder herausgestrichen!”

Erfreulich war neben unseren inhaltlichen Forschritten heute vor allem die Verbesserung im Ablauf der formalen Debatten. Vielleicht war es auch ein Wenig Jankas “note an den dias” von Dienstag (siehe Tagebucheintrag), die dazu beigetragen hat, dass wir heute in vielen Redebeiträgen, die Diskussion maßgeblich mitbestimmen konnten.

Den einzigen, aber nicht weniger traurigen, Wermutstropfen verursachte die Entscheidung des Haager Kriegsverbrechertribunals für Ex-Jugoslawien, die heutige Anhörung des wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten Serben Vlastimir Djordjević, von der Öffentlichkeit auszuschließen. Dies hat unsere frühzeitig angemeldeten Pläne für die Mittagspause natürlich durchkreuzt. Der Besuch des Tribunals und die Möglichkeit in dem Gerichtsverfahren bei einer so wichtigen Einrichtung hautnah Mäuschen spielen zu können, wäre für uns sicher ein Höhepunkt gewesen, zumal ein solch exklusiver Einblick in den ganz konkrete und praktische Arbeit der Vereinten Nation schwer zu simulieren ist. Aber es ist eben doch wie bei der richtigen UNO: Auf Veränderung heißt es, adäquat zu reagieren und so konnten wir die zusätzliche Freizeit dafür nutzen, auch ein bisschen von den teils hochtheoretischen Diskussionen abzuschalten und uns mit den anderen Studierenden aus den vielen Teilnahmeländern über Kultur, Studium und Uni unterhalten.

Morgen geht es dann in die heiße Phase, und die letzten offenen Punkte werden in den Anträgen festgezurrt. Die Woche, so merkten wir schon heute, nähert sich ihrem Finale. Hoffen wir nur, dass unsere Sätze am Ende auch drin bleiben!

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