EP schmeißt Parlamentsfernsehen aus sozialen Netzwerken

Verwunderliche Dinge gingen heute in der Kommunikationsabteilung des Europäischen Parlamentes vor sich. Die DG Comm hat den Betreiber des Twitteraccounts @europarltv dazu aufgefordert, den Betrieb einzustellen. (Scheinbar parallel zum Einstellen einer Facebookgruppe.)

europarltv

Das hat die regelmäßigen Leser nur allzu sehr verwundert (hier, hier, hier, hier). Der Twitteraccount macht nämlich nichts anderes, als den offiziellen Programmfeed (RSS) des Europäischen Parlamentsfernsehens wiederzugeben. Dieser ist öffentlich und von jedem frei “abonnierbar”.

Diese zunächst traurige Nachricht hätte ich aber verstehen können. Ich bin davon ausgegangen, dass sich einfach irgendjemand das Twitterkonto registriert hat und den RSS-Feed unter dem Namen EuroparlTVs eingespeist hat. Dies passiert nur allzu häufig in Twitter und in der Regel stört sich auch niemand daran. Es hätte also durchaus sein können, dass wie im früheren, populären Fall von @cnnbrk der Rechteinhaber nur sein Konto übernehmen, quasi zurück haben, wollte. Es wäre also völlig legitim. Dieses scheint hier aber nicht der Fall zu sein, oder zumindest nicht den Ausschlag zu geben. Der Betreiber des Twitteraccounts gehört nach eigenen Angaben zur Produktionsfirma von EuroparlTV. Zumindest dem eigenen Auftragnehmer also (wenn auch nur privat) hätte man wenigstens ein kurze Begründung geben können. Dieses scheint nicht der Fall gewesen zu sein.

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Es ist also sehr verwundlich, was die DG Communication damit bezweckt, und warum sie, anstatt das Konto einfach zu übernehmen, es einfach einstampfen möchte. Es hätte vielleicht auch erst einmal gereicht bei sich selbst aufzuräumen. Scheinbar war es den Parlamentsbeamten ein Dorn im Auge, dass mitunter noch nicht freigegebene Sendungen über Twitter angekündigt wurden.

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Nur kann der Betreiber des Twitterkontos überhaupt nichts dafür. Schließlich stammen die frei zugänglichen Daten automatisiert von der offiziellen Seite des Parlamentsfernsehens. Sie müssten also dort ansetzen, wenn nicht freigegebene Programme veröffentlicht werden. Wer weiß schließlich, wo die Daten noch überall hineinfließen?

Es ist alles in allem also eine sehr komische Aktion. Sie ist freilich rechtmäßig und legitim, aber nicht sehr besonnen. Immerhin sind über die Tweets auch viele Menschen erst auf das Angebots EuroparlTVs aufmerksam geworden. Ich bin jedenfalls gespannt, ob das Europäische Parlament auch im Sinne von Transparenz noch ein offzielles Statement zu dem Thema abgibt und warte auf die Beantwortung meiner Anfrage. Es wäre meines Erachtens schlichtweg dumm, wenn die DG Comm das Twitterangebot nicht weiterführen würde.

Aber wir werden sehen. Noch sind einfach zu viele Unbekannte in dem “Fall”.

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