Am 8. Mai 2009 fährt der Präsident der Europäischen Kommission nach Chemnitz, um sich dort von der Philosophischen Fakultät zum Dr. phil. honoris causa machen zu lassen. An sich ja keine besondere Meldung, wenn nicht eben gerade Europawahlkampf wäre. Hat denn der Kommissionspräsident in dieser heißen Phasen nichts besseres zu tun, als sich in der ostdeutschen Provinz von Ministerpräsidenten und Staatssekretären loben und von der TU Chemnitz mit der Ehrendoktorwürde auszeichnen zu lassen? Mir ist schon klar, dass er nicht selbst zur Wahl steht oder sich anderweitig dem Wahlvolk vorstellen müsste. Dass er sich vor der europäischen Bevölkerung präsentieren muss, haben EVP und SPE ja früh ausgeschlossen und sich auf eine weitere Amtszeit für den höchsten Aktenschlepper der Mitgliedsstaaten verständigt. Ich finde das im Übrigen höchst zweifelhaft, nicht nur wegen seiner Person sondern vor allem wegen der Aussage Martin Schulz’ unabhängig vom Ausgang der Wahlen zum Europäischen Parlament keinen eigenen Kandidaten für Barrosos Nachfolge nominieren zu wollen. Hallo? Das würde wohl keine Oppositionspartei in den Mitgliedsstaaten machen, siehe Gesine Schwan.
Anstatt durch Europa zu tingeln und nett zu lächeln, könnte er ja vielleicht aktiv daran arbeiten, die Wahlbeteilung europaweit anzuheben. Das wäre doch mal was! Es wäre nur zu schade, wenn die “Anyone but Barroso”-Kampagne einen weiteren Grund für ihre Kritik hätte.
