Niedrige Inflation mit einem Limbo tanzenden Euro [Update]

Wenn ich mir dieses Video ansehe und die Message dahinter richtig verstehe, steht der Euro wohl für eine niedrige Inflation. Danke, EUtube! Was würde ich nur ohne deine tollen Erklärungsvideos machen? Eine klitzekleine Frage bleibt nur noch: Was heißt das jetzt genau?

Zugegeben, die Europäische Union zu verstehen ist nicht einfach, das europäische Währungssystem noch weniger. Ich kann daher verstehen, dass gerade in diesen Zeiten, in denen der Euro und die Diskussion über seine Stabilität im Mittelpunkt der öffentliche Debatte stehen, eine kleine Handreichung für uns Bürger hilfreich sein kann. Aber bitte, erklärt es uns auch ordentlich. Ein Limbo tanzender Euro mag vielleicht lustig sein, und den Auftraggebern des Videos das Gefühl vermitteln, damit auf dem intellektuellen Niveau ihrer Bürgerinnen und Bürger zu ihnen zu kommunizieren. Er erklärt aber mitnichten, warum der Euro eine niedrige Inflation hat, und warum das gut für uns ist.

Es hat sich also auch im letzten halben Jahr nichts geändert. Da brauchen sich die Betreiber von EUtube dann aber bitte auch nicht über die negativen Kanalkommentare wundern.

Update (31. März 2010): Die Kommission scheint sich der globalen Bedeutung des Euros bewusst. Nach ihrer Einschätzung geben sowohl Euro als auch Dollar den Ton an. Hier spielt die Musik:

Update (27. April 2010): Nun hat die Europäische Kommission ihre Euro-Videos wieder von EUtube entfernt und EUX.tv aufgefordert, ein gespiegeltes Video ebenfalls zu entfernen.

Julien Frisch hat sein Blog gelöscht [Update]

Das zumindest behauptet die Fehlermeldung der Bloggingplattform auf der Julien Frisch, Euroblogger der vordersten Reihe, sein Weblog gehostet hat. Er hat nie einen Hehl aus seiner Unabhängigkeit gemacht, und oft betont, dass er nicht wisse, ob er sein Euroblog auf ewig weiter betreiben wolle. Seine Bekanntmachung, dass er für zwei bis drei Wochen Urlaub vom Beiträge schreiben nehme, hat jedoch nicht darauf schließen lassen, dass er womöglich das Blog gänzlich einstellen wolle.

Ist das also nur eine Fehlermeldung? Zieht Julien um? Auf Twitter hat er zumindest kein Wort darüber verloren, dass möglicherweise eine technische Panne “Watching Europe” außer Betrieb gesetzt hat. Was ist also los?

Über Googles Cache ist das Blog natürlich noch erreichbar.

Update: Alles wieder in Ordnung, Julien konnte das Blog reaktivieren (siehe Kommentare). Ich dachte schon sonst etwas. Bei so’nem Blogger weiß man ja nie, woran man ist. Verzeiht mir bitte meine boulevardeske Panikmache. ;-)

Wie Censilia Europa zusammenbringt

Die Europäische Kommission schafft es wieder in vorzüglichem Maße, Bürgerinnen und Bürger für die Europäische Union zu begeistern. Wenn es vor Monaten mit dem Plan D noch viel Geld gebraucht hat, um eine europäische Debatte in Gang zu kriegen*, reicht es heute, eine Zensurinfrastruktur per Dekret (PDF) in den Mitgliedsstaaten der Union etablieren zu wollen. Ähnliches hat in Deutschland auch Familienministerin von der Leyen (CDU) im Bundestagswahlkampf zu erreichen versucht und damit erheblichen Protest ausgelöst. Dieser Protest konnte das Bundesgesetz zwar nicht verhindern, aber immerhin die Regierung erst einmal zur Nichtanwendung bringen.

Kinderpornographie ist ein Verbrechen. Die Urheber gehören bestraft, die Opfer geschützt. Darin besteht kein Zweifel. Bestand er nie. Es gibt allerdings erheblichen Zweifel daran, dass es ausreicht Netznutzer und Opfer durch Websperren vor kinderpornographischem Material zu schützen. Ich bin mir sicher, dass ein rotes Stoppschild niemanden daran hindert, indizierte Inhalte aufzurufen. Was soll es auch bringen, die Seiten aus einem Telefonbuch herauszureißen, aber die Nummer weiterhin erreichbar zu lassen, um ein vielgenanntes Bild zu rezitieren. Die Inhalte gehören gelöscht! Das geht mitunter sogar schneller als intransparentes Sperren von illegalen Inhalten. (Auf die vielen anderen Kritikpunkte, parlamentarische Kontrolle, grenzüberschreitende Kooperationen, die geforderte Ausdehnung auf Urheberrechtsverletzungen und Killerspiele und dergleichen, möchte ich an dieser Stelle gar nicht eingehen. Das hatten wir alles schon mühsam in der Zensursuladebatte vorgetragen.)

Es gibt also genügend Gründe gegen den Vorschlag von Cecilia Malmström Partei zu ergreifen. Dies geschieht zur Zeit in Deutschland, Frankreich etc. Es wird auch in den anderen Mitgliedsstaaten passieren müssen und uns die Möglichkeit geben, der Europäischen Kommission zu zeigen, das es sehr wohl möglich ist, europäisch zu handeln, wenn wir gegen ihren Entwurf vorgehen. Die Diskussion hat Dank Censilias die europäische Öffentlichkeit erreicht. Jetzt liegt es an uns, mit denjenigen in unseren Nachbarländern zu kooperieren, denen die Grundrechte etwas wert sind. Das Europäische Parlament darf sich unserer Unterstützung gewiss sein.

In den Facebook-Kommentaren zu diesem Post kam die Frage auf, daher hier ein kleines Update: Censilias Pressekonferenz steht weiterhin online auf den Seiten des EbS. Continue reading

Eine API für’s Europäische Parlament

Während sich in Deutschland berechtigter Protest gegen Cecilia Malmström und ihre Netzzensurpläne formt, hat “It’s Your Parliament” einen kleinen Schritt für mehr Transparenz im Europäischen Parlament getan und über Twitter mitgeteilt, dass Sie ihre API für das Abstimmungsverhalten der Europaparlamentarier öffnen und allen zur Verfügung stellen. Auf www.itsyourparliament.eu/api/ können sich nun Interessierte ihre eigenen Anwendungen zu den Daten des Europäischen Parlament zusammenbasteln.

Ich bin gespannt, welche tollen, kreativen Projekte sich mit den Daten realisieren lassen. Eines ist jedoch jetzt schon klar. Es werden ihre Bürger sein, die der EU zeigen müssen, dass offene Daten nicht nur einfach bereitzustellen sind, sondern auch einen erheblichen Betrag zu einer transparenten und bürgerfreundlichen Verwaltung leisten können.

Es sei hier übrigens nochmals auf ein ähnliches Projekt hingewiesen: epvote.eu, wenn es auch keine offene API bereithält.

BarCamp Europa – Sessionplan

Ich habe vor einigen Tagen von der (nach meinem Wissen) ersten Unkonferenz zu europäischen Themen berichtet, die heute in der Hamburger HafenCity stattfinden wird. Allen denjenigen, die nicht teilnehmen können, kann ich schon nach der Sessionplanung sagen: Ihr verpasst etwas. Ihr habe mir erlaubt, den aktuellen Ablaufplan hier zu posten, und werde jetzt in eine Session gehen, die ausgehend von den Karambolage-Bilderrätseln eine Diskussion über den europäischen Föderalismus zu initiieren versucht. Gewagt. :)