Das kroatische Wochenmagazin Globus bringt in seiner aktuellen Ausgabe (Nr. 971 vom 22.7.2009) einen Vergleich des militärischen Potentials zwischen Kroatien und seinem Nachbarn Slowenien, sollte es zu einem bewaffneten Konflikt kommen. Wäre dieses Dossier in einem militärischen Fachblatt erschienen, wäre es hier sicher nur eine Randbemerkung. Der konservative Globus ist aber ein vielgelesenes Nachrichtenmagazin und gehört in Kroatien zu den Mainstreammagazinen. So lässt diese Analyse doch einen erheblich faden Beigeschmack zurück.
Die Situation der beiden Länder ist ohne relativ angespannt. Zwischen den Nachbarn herrscht seit Jahren ein höchst emotionaler Streit über ein Stück Grenzgebiet, dass Slowenien den Zugang zu internationalen Gewässern erschweren würde. Als Mitglied der Europäischen Union ist es für Slowenien aber nur ein rein theoretisches Szenario, haben sie doch über Italien, mit dem es auch in anderen Bereichen wie der militärischen Luftraumüberwachung sehr gut zusammenarbeitet, weiterhin Zugang. Dennoch blockiert Slowenien die EU-Beitrittverhandlungen Kroatiens, bis zu einer für sie positiven Lösung des Grenzstreits. Diese Blockadehaltung, der auch die Ratspräsidentschaft und die Kommission nur wenig entgegenzusetzen vermochten, war eine der Begründungen des ehemaligen Ministerpräsidenten Ivo Sanaders, von seinem Amt zurückzutreten, und schürt zunehmend Emotionen gegen die Europäische Union und gegen das Nachbarland.
In diesem Kontext finde ich es unverantwortlich, “kroatische MIGs gegen slowenische Hummer” aufzurechnen und verschiedene Konfliktszenarien durchzuspielen. Auch wenn der Globus sie selbst als “unrealistische” bezeichnet, hinterlässt ein solcher Bericht alles andere als Vertauen in der Bevölkerung gegenüber dem eigentlichen befreundeten Nachbarn und der Europäischen Union. Hoffentlich bleibt dieses Dossier nur ein Ausrutscher in der kroatischen Medienlandschaft.
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Der europäische Einigungsprozess ist in den letzten 20 Jahren einen großen Schritt vorangekommen, und die Europäische Union hat auch den Ländern des Westlichen Balkans nicht zuletzt auf dem Thessaloniki-Gipfel 2003 die Perspektive einer EU-Mitgliedschaft zugestanden und sie seither auf verschiedenste Art und Weise an die euro-atlantischen Strukturen herzuführen versucht. Ihr oberstes Ziel waren dabei immer demokratische Werte und der Aufbau einer funktionierenden Zivilgesellschaft, um die Länder an sich zu binden. Aber einen Haken gab es doch immer. Der Westbalkan sollte sich zwar schön europäisch fühlen, aber eigentlich im Land haben wollte die Südosteuropäer niemand so richtig. Die EU entwickelte ein Visaregime, das zutiefst unbefriedigend für unseren europäischen Nachbarn ist. Wir sollten uns einfach mal in die Lage der Menschen versetzen. Ein Visum zu beantragen ist vielleicht für Deutsche in den Botschaften und Konsulaten ein Klacks, lässt sich mitunter online erledigen. Jedoch nicht so in den ehemaligen Ländern Jugoslawiens. Dort bedeutet es neben der Zahlung eines utopischen Eurobetrages auch die mitunter weite Anreise in die Hauptstadt, um sich dort stundenlang in der Schlange die Füße in den Bauch zu stehen, ohne zu wissen, ob man auch tatsächlich das Touristenvisum bekommt, oder es gar beantragen kann. Das EU Visaregime stellt die Bewohner, der auf den black-lists eingetragenen Länder nicht nur unter Generalverdacht, in der EU untertauchen zu wollen, sondern ist vor allem in der Ausführung unmenschlich. Auch wenn teilweise vereinfachte Prozesse eingeführt wurden, bedeuten die Visa-Obligationen immer noch eine große Einschränkung für Freizügigkeit.