Jetzt hat sie’s geschafft. Die Deutsche Schule Budapest (DSB) ist in den Medien. Und wie sollte es anders sein, es sind nicht die guten Nachrichten, die Schlagzeilen bringen. “Marionettenspiel?! – Eigenartige Machenschaften bei Neubesetzung des Direktorenpostens an der Deutschen Schule Budapest” berichtet morgen der Pester LLoyd und macht damit auf einen Zustand aufmerksam, der es mich als Ehemaligen gruseln lässt. Natürlich, ich bin nun sechs Jahre aus der Schule heraus, und auch das neue Gebäude habe ich nie im Schulalltag erleben dürfen. Dann hat die Schule jetzt auch noch ihren Namen geändert, heißt jetzt “Thomas-Mann-Gymnasium”. Im Prinzip könnte mir die Schule also eigentlich egal sein. Ist sie aber nicht. Und es macht mich betroffen, zu hören, dass nun die deutsche gegen die ungarische Seiten zu stehen scheint. Gerade dort, wo die beiden Kulturen am engsten miteinander leben und arbeiten, an einer Begegnungsschule.
Was ist nun aber passiert? Der Posten des Schulleiters wird vom BVA ausgeschrieben, dieses leitet dann die Bewerbung an den Stiftungsrat der Schule, der über die Personalie berät und entscheidet. Dabei hat der Rat vor allem zu berücksichtigen, dass der/die Bewerber/in möglichst nah an der aktuellen Bildungslandschaft in der Bundesrepublik ist, sodass die DSB ihrerseits auf aktuellem Stand bleibt und nicht hinter den Entwicklungen in Deutschland zurückfällt. Deswegen dürfen Entsandte nicht länger als acht Jahre an der Auslandsschule verweilen. Der einzige Kandidat, der vorgeschlagen wurde, erfüllt diese Vorraussetzung jedoch nicht, weil er schon im neunten Jahr in Ungarn tätig ist. Kurzum, das ganze wurde zum Politikum. Die Elternvertreter im Stiftungsrat bezweifeln die Korrektheit des gesamten Verfahrens, die Vertreter der Träger [1] widersprechen. Und kein Außenstehender sieht durch. Am Wenigsten die Eltern, die ein heiden Geld für eine gute Ausbildung bezahlen.
Dass die Eltern sich allerdings nicht mit einer unzureichend geklärten Situation zufrieden geben wollen, zeigt eine nach diesen Ereignissen spontan durchgeführte Unterschriftenaktion. Schließlich wird der zukünftige Leiter der Deutsche Schule Budapest in den voraussichtlich nächsten sechs bis acht Jahren nicht nur auf das Vertrauen des Stiftungsrates, sondern auch auf das der Eltern angewiesen sein, die mit ihrem finanziellen Beitrag erheblich zur Sicherstellung der Qualität des Schulbetriebes beitragen. Ihr Anliegen ist es nämlich, dass die Schule als Einrichtung unabhängig bleibt, nicht geleitet von politischen Interessen, sondern als deutsche Institution in einem Gastland, mit einem europäischen Anspruch. [2]
Bei dieser Farce bleiben mir ausnahmsweise mal die Worte im Halse stecken. Was soll man dazu sagen? Ich kann nur für alle Beteiligten hoffen, dass sie bald eine Lösung finden und endlich Transparenz schaffen. Solche politischen Mätzchen richten sich doch gegen die Grundideale in unserem europäischen Zusammenleben und sind gerade für so ein Beispielprojekt der Auswärtigen Bildungs- und Kulturpolitik nicht nur schädlich sondern auch peinlich.
Anmerkungen:
[1] Die DSB ist eine Schule, die von mehreren Parteien getragen wird. Das sind im Einzelnen die Bundesrepublik Deutschland, die Republik Ungarn, das Land Baden-Württemberg und die Stadt Budapest.
[2] Anja Csali: Marionettenspiel?! – Eigenartige Machenschaften bei Neubesetzung des Direktorenpostens an der Deutschen Schule Budapest, Pester Lloyd, 17.05.2007