Ein Geburtstagsständchen?

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Geburtstage feiert man, auch weil es einem die Möglichkeit bietet, mal zurückzuschauen auf die guten Sachen, die man in Vergangenheit vollbracht hat. Man wird sich auch ein Wenig Mut zusprechen, versuchen mit Bekannten und Freunden in eine glückliche, so hofft man und bekommt es gewünscht, Zukunft zu feiern. Je älter man jedoch wird, umso mehr Brimborium wird um den Anlass gemacht, desto mehr Ruhe wünscht man sich aber gleichsam. Runde Geburtstage sind wohl am schlimmsten.

Am 25. März wird Europäische Union 50 Jahre alt – also vielmehr die Römischen Verträge. Man wolle aber nicht so laut feiern, hieß es noch vor einigen Monaten aus der Kommission. Ich kann das verstehen, die Bevölkerung ist in ihrer Mehrheit eben (noch) nicht europhorisch. Aber es sollte immerhin die Gelgenheit genutzt werden, ein bisschen für Europa zu werben und die Menschen für Europa zu begeistern. Die Ratspräsidentin soll dazu eine Rede halten. Eine große Rede. Eine Erklärung. Die Berliner Erklärung, und wie es in Brüssel so üblich ist, will jeder seinen kleinen Satz in der Rede untergebracht wissen. Die Föderalisten wollen den Verfassungsvertrag, die Konservativen einen religiösen Bezug, Umweltverbände die Herausforderungen an die Klimapolitik… und so weiter. Ich finde das alles etwas seltsam und nervig. Schließlich hatte ich mich insgeheim schon sehr auf die Erklärung gefreut und auch darauf gehofft, dass die Erklärung meiner Motivation wieder auf die Sprünge hilft. Aber angesichts des Ringens um die vielen verschiedenen Inhalte, wo doch die Symbolik so wichtig sein wird an diesem Tag, packt mich wieder eine gewisse Ernüchterung und die Erkenntnis. dass die bürokratisch geführte Diskussion einfach nicht in die Öffentlichkeit gehört. Wie soll ich meinem Nachbarn denn erklären, dass es sich lohnt, am 25. ein Gläschen Sekt auf ein beeindruckendes halbes Jahrhundert europäischer Integration zu trinken, wenn im Vorfeld alles zerredet wird. Europa soll halt nicht Brüsseler Lobbytum sein! Aber die Realität sieht wohl anders aus.

Ich habe jetzt entschieden, keine Nachrichten mehr zu lesen, die den Geburtstag betreffen und mich dann mit meinen Freunden in Berlin richtig zu freuen, nicht auf das was war, sondern darauf was kommt, und was wir noch alles mit unserem Europa erreichen können!

Eine europäische Armee?

Legionär

Am 01. Januar 2007 hat das Battlegroupkonzept der Europäischen Union seine vollständige Einsatzbereitschaft erlangt. Die Union ist mit den beteiligten nationalen und multinationalen Kampfverbänden so zum ersten Mal in der Lage, eigenständig und unabhängig von NATO-Ressourcen mit zwei parallel einsatzfähigen und hochmobilen Kampfverbänden auf internationale Krisen und äußere Bedrohungen zu reagieren. Das stellt sich doch die Frage: Ist das jetzt schon eine neue, europäische Armee?

Ich finde die Frage ist gar nicht abweigig. Denn so unwahrscheinlich ist eine europäische Armee nicht, wenn man sich mal anschaut, wie schnell die Vertiefung in anderen Politikbereichen in der letzten Dekade voranschritt. Vor fünfzig Jahren, ja sogar vor fünfundzwanzig Jahren, gab es nicht viele in Europa, die geglaubt hätten, dass Slowenien seinen Luftraum von der italienischen Luftwaffe überwachen ließe, oder dass Spanier, Briten und Polen bald in denselben Verbänden humanitäre Einsätze durchführen könnten.

Aber zum jetzigen Zeitpunkt, man kann noch nicht von einer europäischen Armee sprechen. Schließlich sind diese Kampfverbände nur von den Nationen abgestellte Einheiten. Die nationalen Sicherheitspolitiken sind einfach noch ein zu heißes Eisen, als dass es sich die Staaten “wegnehmen” lassen wollten (so Kritiker). Langfristig wird sich die EU, will sie als globaler Akteur ernst genommen werden, aber mit der Thema näher beschäftigen müssen. Die Erfahrungen, die die beteiligten Staaten in der Zusammenarbeit in der schnellen Eingreiftruppe miteinander machen, stellen meines Erachtens dabei nicht nur ein Beschnuppern, sondern schon die weitreichende Integration dar, die den Grundstein zu einer europäischen Armee, mit eigener Kommandostruktur und Befehlsgewalt, legt.

Was motiviert Menschen, sich in der “Euroblogosphäre” zu beteiligen?

Welch Studierender kennt sie nicht, diese Bitten von Psychologen oder Soziologen, die alltäglich über die diversen E-Mailverteiler kommen: “Bitte hilf mir, und fülle kurz (!) diesen Fragebogen aus!” In der Regel ignoriere ich diese Mails geflissentlich, doch das eine oder andere Mal interessiert mich das Thema dann doch, und ich lasse mich breitschlagen (vor allem, wenn ich das Ergebnis der Studie dann wenigstens auch bekomme).

In diesem Fall ist mir das Ausfüllen etwas leichter gefallen. “Was motiviert Menschen, sich in der “Euroblogosphäre” zu beteiligen?” Das untersucht eine Psycholgiestudentin an der Universität Hamburg. Das passt doch wie die Faust aufs Auge, schließlich frage ich mich ja auch, warum ich mit diesem Blog angefangen habe. Irgendwann im oder um den April herum soll die Auswertung schon fertig sein. Da bin ich ja mal gespannt!

(Link zur englischsprachigen Umfrage: http://www.unipark.de/uc/euroblog_survey/)