Euro gewinnt an Bedeutung

Na, da können wir, die wir in Euro leben, uns doch freuen. Wie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages gerade veröffentlichte (siehe unten), sieht die internationale Bilanz des Euros prächtig aus. Wir sind zwar immer noch hinter dem US Dollar, aber knapp.

“Während der Euro dem USD als Wertaufbewahrungsmittel relativ nahe kommt, ist der Abstand als Zahlungsmittelund Recheneinheit weiterhin immens.”

Das wird sich aber auch noch ändern, wenn die sich Eurozone in Zukunft über den ganzen europäischen Kontinent erstrecken wird.

Ich frage mich nur, ob das so gut ist. Klar, dadurch, dass wir den Euro als Heimwährung haben, sind Importe für uns preiswerter. (Dass das der deutschen Exportindustrie hingegen nicht gerade entgegen kommt, bekommen wir ja alle Nase lang vor Augen geführt.) Aber wenn der Euro stärker wird, muss doch der Dollar unweigerlich erschwachen, oder? Ist das gut, ist das schlecht? Ist es überhaupt erstrebsam, einen in Relation schwachen Dollar zu haben? Ich kenne mich leider noch überhaupt nicht in der internationalen Volkswirtschaftlehre aus, aber der gesunde Menschenverstand lässt mich stutzen.

Quelle: “Die internationale Bilanz des Euros“, Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, 29.01.2007

Rent a ghostwriter?

Angebot am Schwarzen Brett der TU Chemnitz

Im Allgemeinen versuche ich mich ja sprachpflegerisch zu betätigen und englische Ausdrücke, wo sie vermeidbar sind, zu umgehen. In diesem Fall stammt der Ausdruck allerdings nicht von mir, sondern von einem Zettel am Schwarzen Brett der Universitätsbibliothek. Dort bietet ein gewisser Kaufschreiber seine Dienste allen lust- oder ahnungslosen Studenten gegen Bezahlung an.

Das ist ja nichts neues. Ghostwriting, also das fremder Leute Texte schreiben, gibt es ja nicht erst seit einigen Jahren, auch in der Wissenschaft. Aber dass diese Dienste nun auch unverhohlen, öffentlich auf Schwarzen Brettern angeboten werden, ist mir neu.

Wenn man eidesstattlich erklärt, einen Text alleine und ohne Zutun anderer verfasst hat, und das nicht stimmt, stellt das nach meiner Rechtsauffassung einen Strafttatbestand dar. Der vermeintliche Helfer macht sich doch außerdem direkt mit strafbar, oder? Beihilfe oder so was?

Wie funktioniert das aber? Bestelle ich eine gute (Note 2) Seminararbeit? Gibt es auf einen Dreier vielleicht Rabatt? Oder bekommt man sogar Sparangebote à la: “Bei drei Seminararbeiten, gibt’s ein Essay kostenlos?” Zudem kann ich mir vorstellen, dass das doch auf Dauer ärgerlich sein muss. Vielleicht schreibt der Kaufschreiber, weil er ja geübt ist, und weiß wie das geht, die Arbeiten des Jahres, wird aber nie als Autor bekannt. Das Problem muss es doch schon ewig geben. Politiker schreiben doch auch schon lange keine eigenen Reden mehr. “Autobiographien” sind zuweilen ohne Mitarbeit der Hauptperson entstanden…

PS: Ich habe gerade entdeckt, dass es sogar einen Verband der Redenschreiber deutscher Sprache gibt. Nicht schlecht, was? Die haben übrigens eine recht interessante Internetseite. (Lesetipp: der Beitrag “zu dem neu geschaffenen und allüberall verwendeten Begriff ‘Prekariat‘ [...] von Thomas Maess…”)

Le Taurillon jetzt auch auf deutsch

Das französische Onlinemagazin der Jeunes Européens “Le Taurillon” scheint ein Erfolg zu sein. Die Jungen Europäer starteten nach der französischen, englischen und italienischen Version nun auch eine deutschsprachige. Seit dem 15. Januar 2007 erscheint diese nun als Kooperation aus den Jeunes Européens, den Young European Swiss, der JEF-Österreich sowie der JEF-Deutschland und trägt sogleich den Namen “Der Europastier“.

“Europastier soll dazu beitragen, für alle Proeuropäer einen Raum für freien Ausdruck, Begegnungen, Kommunikation und Nachdenken im deutschsprachigen Netz zu schaffen”, so die Redaktion in ihrer Selbstdarstellung.

Damit macht es sich der Europastier sicherlich nicht einfach. Das 2001 gegründete Nachrichtenmagazin “Café Babel” bezeichnet sich nicht zu unrecht als die Europa-Zeitung. Café Babel ist sowas wie der Platzhirsch unter den europäischen Online-Jugendzeitschriften. Es erscheint in sieben Sprachen und gibt sich als das Medium, das der “Eurogeneration” eine Stimme geben will. Gegen Café Babel wird wohl kein Ankommen sein. Und im Interesse einer wahren Vielfalt darf es das auch nicht!

Spannend wird es also zu sehen, wie sich der Europastier abgrenzen wird. Wenn man sich mal die Anzahl der Artikel und die Kommentare anschaut, scheinen es die Macher mit der französischen Version ja geschafft zu haben.

Wir sind Rumänien und Bulgarien!

Photo von Sanja Gjenero

Was sind wir Deutschen nicht alles geworden. Wir wurden 2005 Papst und Kanzlerin, im letzten Jahr Fußballweltmeister der Herzen. Und in diesem Halbjahr sind wir nun wieder Ratspräsidentschaft, vom G8-Vorsitz ganz zu schweigen! Doch wollen wir bitte bei aller Freude und Vorbereitung auch nicht vergessen, dass wir nicht alleine sind. Bulgarien und Rumänien sind jetzt Europäische Union, Slowenien gar Euro, und wenn man den Schlagzeilen glauben mag, wird Tschechien dieses Jahr noch Schengen. Es sind aufregende Zeiten in einem Jahr, in dem die Europäische Gemeinschaft ganz leise ihren 50. Geburtstag feiert und noch immer vor großen Aufgaben steht.

Mit Rumänien und Bulgarien erhält die Gemeinschaft nicht nur zwei neue Mitglieder, sondern sie ist schließlich auch im europäischen Einigungsprozess auf der Suche nach Frieden, Stabilität und Wohlstand einen weiteren Schritt vorangekommen. Erstmals erstreckt sich die Europäische Union zu Lande nun direkt von Lissabon bis Athen, und hoffentlich bald ganz ohne Grenzen.

Dass die jetzige Erweiterungsrunde nicht mehr dasselbe große Echo wie die oft historisch genannte Runde 2004 hervorbringt, war abzusehen. Die Euphorie ist leider verflogen, Kritiker fügen an, dass die Aufnahmekapazität mit den letzten Beitritten unlängst überstiegen war. Aber sollte uns nicht bange werden, wenn der Beitritt gänzlich tot geschwiegen wird? Wo liest man denn heute noch über die Neulinge, wo wurde im Dezember auf sie aufmerksam gemacht?

Sicher, einfach haben es sich die Nachzügler nicht gemacht. Wegen Nachholbedarfs im Justizwesen und bei der Bekämpfung der organisierten Kriminalität und Korruption war es noch vor einem halben Jahr nicht klar, ob Rumänien und Bulgarien schon dieses Jahr hätten Mitglieder werden können. Doch nun sind sie es endlich, wenn auch mit weiter bestehenden Schutzklauseln und Übergangsregelungen, und in Bukarest und Sofia wird gefeiert.

Also lasst auch uns feiern und uns auf neue Freunde freuen, die die kulturelle wie politische und wirtschaftliche Vielfalt der Union bereichern und verfeinern werden. Schließlich haben wir nicht zuletzt eben doch die Ratspräsidentschaft inne, und sind also auch, wenigstens ein bisschen, Bulgarien und Rumänien.